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Noch vor einigen Jahren kannte niemand den Begriff Massive Open Online Course (MOOC). Mittlerweile kennen vermutlich die meisten Hochschulmitarbeiter und Personalentwickler bzw. Lernbeauftragte in Unternehmen den Begriff. Bei MOOCs kann von einer ähnlichen Entwicklung ausgegangen werden, wie sie bei E-Learning zu beobachten war. Auch E-Learning etablierte sich zuerst in der Hochschullandschaft, bevor Unternehmen die Vorzüge, wie bspw. die Möglichkeit die Reisekosten zu senken und eine große Mitarbeiterzahl zu erreichen, erkannten und E-Learning in die betriebliche Aus- und Weiterbildung integrierten.

MOOCs gehen über die bisherigen E-Learning Angebote hinaus. Es handelt sich im Allgemeinen um frei zugängliche (open) Kurse (courses), die online stattfinden. Was die Teilnehmerzahl angeht, gibt es meist keine Begrenzungen (massive). Häufig haben MOOCs, genau wie Kurse an der Universität, einen Start- sowie Endtermin und ziehen sich über mehrere Wochen. Vorlesungen finden mittels Video statt und auch Skripte, Aufgaben und Tests sind meist feste Bestandteile. Bei den Tests handelt es sich gemeinhin um Multiple-Choice-Verfahren. Manchmal müssen Teilnehmer ihre Aufsätze gegenseitig bewerten (peer review). Interagieren können Kursmitglieder z.B. durch Diskussionsforen. Nach erfolgreicher Teilnahme und Bestehen aller Prüfungen kann in der Regel ein Zertifikat erworben werden. Dieses kann mit Kosten verbunden sein, wobei die bloße Teilnahme am Kurs normalerweise kostenfrei ist. Zwei verschiedene MOOC-Formate haben sich etabliert: xMOOCs und cMOOCs. Obwohl cMOOCs die Ersten auf dem Markt waren, dominieren heute xMOOCs. Letztgenannte sind dazu geeignet, Grundkenntnisse bezogen auf ein Thema zu vermitteln. Fokus wird hierbei auf den aus Klassenräumen bekannten Frontalunterricht gelegt. cMOOCs machen Gebrauch vom Konnektivismus und können daher eher mit Seminaren verglichen werden, die Wert auf die gemeinsame Generierung von neuem Wissen legen. Im Laufe der Zeit wurden vor allem in den USA Plattformen gegründet, auf denen MOOCs von Universitäten weltweit angeboten werden können. Auch Elite-Universitäten wie Harvard und Stanford bieten freie, kostenlose MOOCs an. Die wohl bekannteste Plattform heißt Coursera. Ursprünglich waren die Kurse für Studenten gedacht, insbesondere in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu Bildung. Nach und nach hat sich jedoch gezeigt, dass vor allem Berufstätige die freien Kurse nutzen, um sich beruflich weiterzubilden.

Die Master Thesis beschäftigt sich mit dem Potential von MOOCs in der betrieblichen Weiterbildung. Die empirische Studie geht folgender Fragestellung nach:
Welche Schlussfolgerungen bezogen auf die Nutzung von MOOCs in der betrieblichen Weiterbildung ergeben sich aus den Erfahrungen und Beurteilungen von Experten auf dem Gebiet Unternehmens-MOOCs sowie Berufstätigen, die an job-bezogenen MOOCs teilnehmen?
Im Rahmen der empirischen Studie wurde Gebrauch von zwei Methoden gemacht. Mit drei Experten wurden Interviews durchgeführt. Berufstätige, die selbst job-bezogene MOOCs besuchen, wurden mit Hilfe eines Fragebogens befragt. Die Umfrage fand online statt und der entsprechende Link wurde in MOOC-Gruppen des sozialen Netzwerkes LinkedIn geteilt. Auf diese Weise konnte eine spezielle Adressatengruppe erreicht werden, die sich gut mit dem Thema auskennt und demnach Aufschluss über MOOCs und deren Eignung in der betrieblichen Weiterbildung geben konnte. Die Recherchen, bestehend aus einer ausführlichen Literaturrecherche, der persönlichen Teilnahme der Autorin an MOOCs und einer Konferenz in London, die sich mit MOOCs im betrieblichen Kontext beschäftigte, sowie der empirischen Studie, bestätigen das Potential und die Nutzbarkeit von MOOCs im betrieblichen Kontext. Dennoch muss hinzugefügt werden, dass auch Kritik an den gegenwärtigen MOOCs geübt wird. Die Abbruchquoten bei den auf den bekannten Plattformen angebotenen MOOCs sind gewöhnlich sehr hoch. Auch die Qualität der Kurse und Bewertung der Teilnehmer werden oft in Frage gestellt. Häufig werden auch Zweifel in Bezug auf den Datenschutz geäußert.

Die Vorteile von MOOCs bezogen auf die betriebliche Weiterbildung können jedoch als bedeutungsvoller angesehen werden. Insbesondere die Skalierbarkeit springt ins Auge. Mit den Kursen können sehr große Mitarbeiterzahlen weltweit erreicht werden. Auch Mitarbeiter, die an sehr kleinen Standorten oder von zuhause aus arbeiten, haben die Möglichkeit online teilzunehmen. Durch die Teilnahme von Menschen oder Mitarbeitern auf der ganzen Welt können außerdem durch Networking wertvolle Kontakte geknüpft werden und neue Perspektiven hinsichtlich eines Themas geöffnet werden. Dadurch dass sich das Lernen meist über einen längeren Zeitraum streckt, wird ein kontinuierlicher Lernprozess gefördert, was Teilnehmern hilft, mehr vom behandelten Stoff aufzunehmen und zu verarbeiten. In der heutigen Geschäftswelt bzw. Gesellschaft im Allgemeinen möchten Leute flexibel sowie nach ihrer eigenen Geschwindigkeit lernen und selbst entscheiden, wo sie lernen. MOOCs werden den Ansprüchen des modernen Lerners gerecht. Die Kurse können sogar über das Tablet oder Smartphone auf Reisen aufgerufen werden.

Unternehmen haben prinzipiell die Möglichkeit, passende bereits existierende MOOCs von Plattformen ihren Mitarbeitern zu empfehlen. Firmen können auch mit Plattformen kooperieren und ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, verifizierte Zertifikate zu erwerben. Es entstehen zwar Kosten für das Unternehmen, diese sind jedoch geringer als die Kosten, die bei gewöhnlichen Klassenraumtrainings entstehen. Coursera verlangt üblicherweise zwischen 30 und 90 Dollar pro Teilnehmer. Es gibt außerdem Kooperationen, die darauf abzielen, Kurse auf das entsprechende Unternehmen anzupassen. Ein auf das Unternehmen und dessen Ziele bzw. Probleme ausgerichtetes MOOC ist häufig sehr wichtig, damit die Weiterbildungsmaßnahme auch Erfolg hat. Weiterhin können Firmen, die Lerntechnologien bzw. –lösungen anbieten, herangezogen werden, um maßgeschneiderte interne MOOCs zu erstellen. Abgesehen von der Nutzung der Kurse im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung zeigt sich, dass MOOCs auch im Marketing und für die Personalbeschaffung (Recruiting) genutzt werden können. SAP bietet z.B. auf der eigenen MOOC-Plattform openSAP externem sowie internem Publikum MOOCs zum SAP Portfolio an. Durch diese MOOCs können Kunden und Partner mit dem Portfolio in Kontakt treten und SAP kann sich auf diese Weise gut vermarkten. Unternehmen, die auf der Suche nach Fachkräften mit speziellen Kenntnissen sind, können mit Hilfe eines passenden MOOCs nach Kandidaten suchen.

Die Eignung von MOOCs im Kontext der betrieblichen Weiterbildung ist zentraler Bestandteil der Thesis und wird deshalb detaillierter als die übrigen Anwendungsmöglichkeiten betrachtet. Bereits existierende MOOCs von Plattformen machen Sinn für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern einen allgemeinen Kurs, z.B. zu einer neuen Technologie, anbieten möchten. Des Weiteren können existierende Kurse empfohlen werden, wenn MOOCs dabei helfen sollen, Kosten zu sparen. Sie sind zudem für kleine und mittelständische Unternehmen oder Start-ups sinnvoll, da diesen Firmen nicht so viele Ressourcen zur Verfügung stehen und weniger Mitarbeiter aufgrund der kleineren Unternehmensgröße erreicht werden müssen. Es gibt zwar bereits deutsche Plattformen, die auch MOOCs auf Deutsch anbieten, dennoch ist die Mehrheit der Kurse auf Englisch und auf einem akademischen Niveau. Daher sollte auf eine ausreichende Qualifikation der entsprechenden Mitarbeiter geachtet werden. Eigene Unternehmens-MOOCs hingegen können großen internationalen Firmen empfohlen werden. Die Kurse können auf die eigenen Bedürfnisse des individuellen Unternehmens ausgerichtet und einer großen Mitarbeiterzahl bereitgestellt werden. Hierbei können Skaleneffekte erzielt werden. Außerdem können Inhalte, wie bspw. kurze Videos, durch wenig Aufwand immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden.

Es hat sich herausgestellt, dass sich das Kursformat z.B. für Betriebswirtschafts- und Technologiethemen eignet. Gerade der IT-Bereich ist durch die vielen Innovationen von einem permanenten Wandel geprägt. Eine kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter ist daher unerlässlich. Plattformen bieten viele Kurse in diesem Zusammenhang an. Für Mitarbeiter, die handwerkliche Tätigkeiten verrichten, eignet sich das MOOC-Format weniger. MOOCs müssen für die betriebliche Weiterbildung ein wenig überdacht werden. Sofern Firmen ihre eigenen MOOCs erstellen oder erstellen lassen, kann von MOOC-Derivaten oder Small Private Online Courses (SPOCs) gesprochen werden. Die Kurse sind in der Regel nicht offen, da sie nur einer bestimmten Mitarbeitergruppe zur Verfügung gestellt werden. Es kann von keiner massiven Teilnahme die Rede sein, wobei massiv interpretationsabhängig ist. So mag für die einen eine Teilnahme von 100 Personen massiv sein, so sprechen andere erst bei Teilnehmern über 100.000 Personen von massiv. Aspekte, die überdacht werden müssen, beziehen sich z.B. auf die Verfügbarkeit der Inhalte, die Dauer des Kurses sowie den Arbeitsaufwand. Bei existierenden MOOCs auf Plattformen ist es allgemein üblich, dass die Kurse während eines bestimmten Zeitraumes laufen, z.B. von Januar bis März eines Jahres, und anschließend die Inhalte nicht mehr aufgerufen werden können. Dies kann als äußerst schwierig angesehen werden, da sich Unternehmen nicht danach richten können, wann der Kurs gerade angeboten wird, sondern den Kurs genau dann benötigen, wenn es ihnen am besten passt. Auch der Arbeitsaufwand der existierenden MOOCs richtet sich üblicherweise danach, was von einem Hochschulstudenten erwartet wird. Mitarbeiter von Unternehmen, die an einem Kurs zu ihrer beruflichen Weiterentwicklung teilnehmen, haben aber nur begrenzt Zeit. Daher sollten die Kurse von einem geringeren Arbeitsaufwand geprägt sein. Ein festgelegter Zeitraum macht häufig Sinn, da eine Gruppe von Lernern am Kurs teilnimmt und nur durch eine semi-synchrone Beteiligung gemeinsames bzw. soziales Lernen gewährleistet werden kann. Eine semi-synchrone Beteiligung heißt, dass Kursmitglieder während des gleichen Zeitraumes am Kurs teilnehmen, aber jeder zu einer anderen Zeit die Inhalte konsumiert und Aufgaben etc. erledigt. Gemeinsames Lernen wird vor allem durch Diskussionsforen gefördert, die dazu dienen, dass sich die Teilnehmer über Themen austauschen und Fragen stellen.

Es werden weiterhin sicherlich viele Experimente mit MOOCs durchgeführt, um verbesserte Ansätze zu finden. Das Flipped Classroom Modell könnte hierbei erfolgsversprechend sein. Grundkenntnisse werden mittels Videos etc. online durch die MOOCs oder MOOC-Derivate vermittelt. Anschließende Präsenzveranstaltungen zielen darauf ab, das gelernte Wissen z.B. durch Gruppenarbeiten weiter zu vertiefen.

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2 Comments

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    1. Bianca Sillak Post author

      Ich habe sehr gute Erfahrungen mit MOOCs gemacht. Ich bevorzuge MOOCs mit einer festen Zeitdauer, da die anderen Teilnehmer den Kurs im gleichen Zeitraum absolvieren und man sich dadurch miteinander austauschen kann. Innerhalb der vorgegebenen Zeit konnte ich selbst entscheiden, wann ich die Inhalte konsumieren und Aufgaben erledigen möchte. Dennoch finde ich, dass der Kurs danach nicht geschlossen werden sollte und die Inhalte weiterhin verfügbar sein sollten.

      In MOOCs nehmen Leute auf der ganzen Welt teil. Durch Peer Reviews oder Posts in Diskussionsforen konnte ich sehr viel von den anderen Teilnehmern lernen. Es ist außerdem beeindruckend, wie schnell ich mein Netzwerk erweitern konnte. Letztendlich bin ich durch die Teilnahme an einem MOOC mit einem meiner Experten in Kontakt gekommen, der mich zu einem MOOC-Summit nach London eingeladen hat.

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